Cash ist King - Wie funktioniert richtiges Liquiditätsmanagement?
Ihr Unternehmen kann profitabel sein und trotzdem insolvent werden, wenn die Zahlungsmittel nicht zum richtigen Zeitpunkt verfügbar sind. Liquidität bei Unternehmen bedeutet die Fähigkeit, jederzeit und fristgerecht alle fälligen Zahlungsverpflichtungen zu begleichen. Sie beschreibt also, ob ein Unternehmen genug Zahlungsmittel oder schnell verfügbare Mittel hat, um Rechnungen, Löhne, Kredite und andere kurzfristige Verbindlichkeiten zu bezahlen.
Im Dschungel aus Rechnungen, Skonti, Finanzierungen & Co., verliert man schnell den Überblick. Die Folge: Viele Unternehmer scheitern nicht am fehlenden Gewinn, sondern an mangelnder Liquidität.
Der Unterschied zwischen Gewinn, Liquidität und Eigenkapital
Der Gewinn ist eine bilanztechnische Größe, er ergibt sich aus Umsatz und Kosten. Die Liquidität ist Ihre tatsächliche Zahlungsfähigkeit.
Ein Verkaufsabschluss kostet Sie Liquidität, bringt Ihnen aber Gewinn, wenn sie Ihren Lieferanten in 30 Tagen bezahlen müssen, während der Kunde erst in 60 Tagen zahlt.
Auch Eigenkapital ist nicht gleich Liquidität. Sie können Unmengen an Eigenkapital haben, aber wenn Sie Ihre Rechnung nicht bezahlen können, dann sind Sie dennoch insolvent. Die Einteilung in Eigenkapital und Fremdkapital hat keinen Einfluss auf Ihre Liquidität. Ein Porsche ist zwar vielleicht Eigenkapital, wenn es Ihnen aber darum geht Ihre Rechnung bezahlen, dann bringt Ihnen der Porsche nichts.
Liquidität ist teuer
Liquidität ist für jedes Unternehmen wertvoll. Mit Liquidität können Unternehmen Rechnungen oder Mitarbeiter bezahlen. Durch Ihre Liquidität sinkt Ihr Risiko. Dementsprechend ist Liquidität teuer.
Beispiele für den Preis von Liquidität sind Skonti und Factoring.
Ein Skonto ist ein Rabatt, den Sie erhalten, wenn Sie Ihre Rechnung früh bezahlen. Oft ist der Aufpreis einen Skonto nicht zu ziehen teuer.
Beim Factoring verkaufen Sie Ihre offenen Forderungen an eine Factoring-Gesellschaft. Der Kunde bezahlt seine Rechnung innerhalb des Zahlungsziels an die Factoring-Gesellschaft. Dadurch bekommen Sie Ihr Geld mit einem gewissen Abschlag früher.
Neben den bereits genannten Beispielen gibt es ein elementares Konzept, welches Ihnen die Kosten für Liquidität aufzeigt. Opportunitätskosten beschreiben die Kosten der entgangenen Opportunität. D.h. wenn Sie Liquidität liegen haben, können Sie dieses Geld nicht in andere Projekte investieren. Der entgangene Gewinn wird als Opportunitätskosten bezeichnet.
Margin of Safety
Ein wichtiges Konzept, dass Sie im Kontext Liquidität verwenden sollten ist die Margin of Safety. Die Margin of Safety beschreibt Ihren Puffer. Das heißt, wenn Ihr Kunde nicht pünktlich zahlt; wie hoch ist Ihr Puffer?
Machen Sie nicht den Fehler zu glauben Sie würden perfekt planen. In seinen Forschungen zur Entscheidungspsychologie entdeckte Max H. Bazerman ein faszinierendes Phänomen:
Menschen sagten korrekt vorher, dass andere Renovierungen 25–50% über Budget gehen werden. Doch wenn es um ihre eigenen Projekte geht, gehen sie plötzlich von Perfektion aus: on-time, on-budget.
Bazermans Forschung zeigt: Menschen sind systematisch übermäßig selbstsicher bei eigenen Entscheidungen. Die Margin of Safety ist daher nicht nur ein mathematisches Konzept – sie ist ein psychologischer Schutzschild gegen:
- Unsere eigene Überoptimierung
- Unerwartete Ereignisse
- Fehler in der Analyse
- Kognitive Verzerrungen (wie Verlustaversion)
Können Sie noch ruhig schlafen und gute Entscheidungen treffen, wenn das Geld auszugehen scheint? Bei der Margin of Safety geht es nicht nur um Rationalität, sondern auch um Psychologie.
Liquiditätsplanung
Die Liquiditätsplanung ist ein Teil der kurzfristigen Finanzplanung in Unternehmen und die dazu, die Zahlungsfähigkeit jederzeit zu sichern. Im Kern werden zukünftige Einzahlungen und zukünftige Auszahlung innerhalb eines festgesetzten Zeitraums gegenüber gestellt. Der Saldo zeigt zusammen mit dem Anfangsbestand, ob ausreichend, liquide Mittel verfügbar sind oder ob Engpässe entstehen.
Das bedeutet, wenn Sie mit der Liquiditätsplanung anfangen, müssen Sie erst mal Ihre aktuelle Liquidität prüfen. Danach können Sie zukünftige Einkünfte und Ausgaben mit der Liquidität verrechnen. Bedenken Sie bitte das Vorsichtsprinzip. D.h. planen Sie ein, dass der Kunde am letzten Tag der Frist zahlt.
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